Einsichten in den Schulalltag

Zwischen Ansprüchen und Atemlosigkeit

Man läuft über die Flure, ins Lehrerzimmer, in den nächsten Klassenraum. Und mittendrin der oft gehörte Satz: Können wir ganz schnell noch, können wir ganz kurz noch, können wir eben mal noch …

Die Unterrichtsstunde ist gerade beendet. Fliegender Wechsel. Die Tafel muss noch gewischt, das Schülergespräch beendet, eine Unterschrift eingefordert, ins Klassenbuch eingetragen, der Raum gewechselt, sich auf die nächste Klasse und das andere Unterrichtsfach eingestellt werden.

Vom Gebrauch der indirekten Rede wechselt man zur Symbolik in Orwells „1984“, von der Photosynthese zur Theater-Probe fürs Sommerfest, von der 7a in den Leistungskurs Geschichte, der kurz vor dem Abitur steht.

mehr lesen

Eigentlich wollte man schon seit zwei Stunden zur Toilette. Die kopierten Arbeitsblätter sind noch nicht fertig, weil es einen Papierstau im hoch frequentierten Kopierer gab.

Die Kollegin ist sauer, weil man die Schülerinnen der DS-AG zu einer Generalprobe aus ihrem Unterricht nimmt. Die Schulleiterin möchte mit Ihnen sprechen, weil sich Leas Mutter aus der 9a über die Bewertung des Deutschaufsatzes beschwert hat. Max hat am Morgen schon wieder gefehlt, man müsste die Eltern informieren. Die 7b hat im 4. Block keinerlei Energie mehr.

Hunderte kleiner Situationen, die eine Entscheidung verlangen. Es bleibt wenig Zeit zum Atemholen.
Die Erwartungen sind hoch, und zwar von allen Seiten.

Und am höchsten sind die Erwartungen, die wir an uns selbst haben. Wir wollen inspirierenden Unterricht machen – und das tun wir auch meistens – oft sind wir aber auch einfach müde und dann wird eben einfach nur das Arbeitsblatt des vergangenen Schuljahres aus der Tasche gezogen. Was ja völlig in Ordnung ist, wir nehmen es uns aber übel.

Wir wollen bei Unterrichtsstörungen geduldig und gelassen sein, vor allem mit der 7b in der letzten Stunde am Freitag, und das schaffen wir auch immer besser und dann gehen uns doch wieder die Nerven durch und wir brüllen im Klassenraum herum und fühlen uns schlecht damit. Wir wollten den Stapel Klausuren rechtzeitig zurückgeben und dann sind doch wieder drei Wochen verstrichen, ehe wir es geschafft haben.

Wir lieben unsere Arbeit, die Lebendigkeit der Unterrichtssituation, die Abwechslung und die kostbaren Momente, in denen es ein Aufleuchten in den Augen unserer Schüler gibt. Aber mitunter ist alles einfach zu viel.